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Nebenstrecken in Neuseeland – Nordinsel

von Peter Hohenberger

Jeder Tourist, der nach einem langen Flug glücklich in Aotearoa ankommt, hat diese Qual der Wahl: wohin und welche Strecke? Was ist sehenswert, was ist wichtig?

Im Durchschnitt verbringt der deutsche Urlauber vier Wochen in unserem Land und um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, genügt das auch - also gut - es genügt gerade mal so.

Hier eine Anregung, wie für diejenigen die zum ersten Mal hier sind, eine vernünftig geplante Strecke aussehen könnte. Der internationale Airport in Auckland ist in den meisten Fällen der Ausgangspunkt. Ankunft in Auckland - Übernahme Fahrzeug (Wohnmobil, Auto oder Motorrad), denn Weiterfahrt in die Coromandel und einmal um die Halbinsel herum - weiter ins Landesinnere zum Thermalgebiet nach Rotorua und Taupo mit dem gleichnamigen See - über Tongariro National Park mit den Vulkanen nach Wanganui - nach Wellington und mit der Fähre zur Südinsel - an die Westküste, so herum hat man nämlich die besseren Aussichten - nach Queenstown - Abstecher zum Milford Sound - wieder zurück Richtung Norden an den Seen Lake Pukaki und Tekapo vorbei nach Christchurch - Abstecher landeinwärts nach Hanmer Springs - hinauf nach Picton und mit der Fähre wieder zurück zur Nordinsel nach Wellington - durch das Landesinnere über die Desert Road in den Waikato District - den Highway 1 durch Auckland nach Norden in die Bay of Islands - ganz hinauf in den Far North und zum Cape Reinga - durch den Waipoua Kauri Forest wieder zurück nach Auckland.

Das ist fast schon eine Standardstrecke und sie deckt alle wichtigen Sehenswürdigkeiten ab. Aber das ist noch lange nicht alles. Der Reiz Neuseelands liegt in den unzähligen kurvigen und bergigen Nebenstrecken und in den gravel roads, Schotterstrecken über zahllose Kilometer, die oft an den schönsten Stellen vorbeiführen, an die der Normaltourist einfach schon aus Zeitmangel nicht hinkommt. Wenn Sie nach Ihrem ersten Urlaub neugierig geworden sind, dann werden Sie mit Sicherheit beim nächsten Besuch einige der weniger bekannteren Strecken auskundschaften wollen. Ich möchte Ihnen hier einige davon vorstellen. Sie sind alle mit einem normalen PKW und unter normalen Witterungsbedingungen problemlos zu befahren, meist auch mit dem Wohnmobil - wenn nicht, weise ich ausdrücklich darauf hin. Gutes Kartenmaterial erhalten Sie in den Filialen des AA
www.aa.co.nz, des neuseeländischen Automobilclubs. Achten Sie darauf, dass Sie die Mitgliederausgabe bekommen (erkenntlich daran, dass darin alle Straßennamen angegeben sind, bei uns haben die Straßen keine Nummern wie z. B. in Frankreich, sondern Namen), denn es gibt auch noch eine völlig unbrauchbare Ausgabe für Touristen. Als ADAC-Mitglied (Ausweis mitbringen) sollten sie einen Satz der Karten ohne Probleme kostenlos bekommen, ansonsten bezahlen Sie eben dafür (der komplette Satz kostet um die 35 NZ$), diese Karten sind ihr Geld wert. Dann brauchen Sie noch einen guten Autoatlas als Übersicht und los geht's. Bevor Sie sich auf den Weg machen, sollten Sie sich anhand Ihrer Karten den geplanten Streckenverlauf des Tages genau anschauen.

Wenn es Sommer ist und Sie haben ein Zelt dabei, werden Sie ohne Probleme für die Nacht unterkommen. Ansonsten gibt es in jedem Motel die bekannten und kostenlosen Motelführer des AA und von Jason, auf den Campingplätzen die entsprechenden Verzeichnisse dafür. In der Hauptsaison sollten Sie unbedingt per Telefon am Morgen vorbuchen, dazu wird Ihre Kreditkarte verlangt - keine Angst, damit wird kein Schindluder getrieben, das hier ist Neuseeland. Die etwas abgelegeneren und oft wunderschönen Campingplätze werden meistens vom DOC (Department of Conservation
www.doc.govt.nz) unterhalten und haben außer Toilette und Dusche keine weiteren Bequemlichkeiten. Denken Sie daran, dass Sie auch etwas essen müssen und kaufen Sie entsprechend ein. Auch an Sprit sollten Sie denken und rechtzeitig tanken.

Nordinsel - Whangarei > Bay of Islands
Diese Strecke ist besonders im Dezember um Weihnachten herum sehr schön, weil dann die riesigen Pohutukawabäume (New Zealand Christmas tree) leuchtend rot blühen. 25 km nördlich von Whangarei am Hwy 1 sehen Sie in einer langgezogenen Rechtskurve links eine BP-Tankstelle. Biegen Sie kurz danach rechts ab nach Helena Bay und Oakura. Die Straße führt durch Farmland ans Meer. Dort angekommen gibt es nach rechts eine Schotterstraße, die an einsam gelegene Strände und noch einsamere Campingplätze führt. Sie fahren jedoch links und folgen dieser Straße durch Busch und Farmland bergauf bergab. 30 km hinter Oakura gabelt sich die Straße. Geradeaus kommen Sie in den winzigen Ort Rawhiti, außerhalb davon liegt ein schöner, aber einsamer DOC-Campingplatz. Biegen Sie jedoch links ab und folgen Sie dieser Straße, die Sie bald an den wunderschönen Buchten der B.O.I. vorbeiführt. Am Ende der Strecke stoßen Sie auf ein T, hier müssen Sie nach rechts. Es geht durch Mangrovensümpfe und dann kommt wieder ein T: nach rechts in den Ort Russell (sehenswert, Restaurants, Motels, Camping), nach links kommen Sie bald unweigerlich an die Anlegestelle der Fähre, die Sie für ein paar Dollar hinüber nach Opua bringt. Von da aus ist es nicht mehr weit bis Paihia, das Herz der Bay of Islands. Falls Sie unterwegs Durst bekommen haben: kurz vor Paihia ist links ein großer Pub und dort gibt es Guinness vom Fass. Trinken Sie eines auf mein Wohl.

Paihia, Bay of Islands
Folgen Sie der Hauptstrasse aus Paihia in Richtung Kerikeri. Unmittelbar am Ortsende von Paihia ist ein Roundabout, über den Sie sinngemäß geradeaus weiterfahren. Es folgt eine einspurige Brücke. Fahren Sie am Treaty House, in dem der Vertrag von Waitangi unterzeichnet wurde, vorbei und immer weiter. Sie kommen auf das Gelände des Paihia Golfclubs, dort gibt es rechts Parkplätze und eine sehr schöne Aussicht über die B.O.I. Dann weiter, bis Sie in den Busch kommen, die Straße wird zur Schotterstraße und ziemlich staubig. Nach ein paar Kilometern sehen Sie rechts einen Abzweig zum Bledisloe Lookout - und den sollten Sie sich wirklich nicht entgehen lassen. Ein Sonnenuntergang dort oben ist einfach umwerfend.

90 Mile Beach bei Ahipara
Wichtig: natürlich können Sie mit jedem Fahrzeug nur bei Ebbe an den Strand! Fahren Sie nie, wirklich nie, ins Wasser! Achten Sie auf tide pools, heimtückische wassergefüllte Löcher! Fahren Sie nie in den weichen Sand! Achten Sie auf die Flussdurchfahrten! Mit dem Wohnmobil sollten Sie auf keinen Fall den Strand befahren. Wenn Sie aber genau hingucken, werden Sie zahlreiche Einheimische sehen, die mit ganz normalen Pkws am Strand entlangfahren. Es gibt einige Einfahrten zum Strand (meiden Sie ohne Allradfahrzeug auf jeden Fall die Betonrampe bei Waipapakauri!), von denen aber nach meiner Erfahrung nur eine für unerfahrene Touristen mit normalen Pkws einigermaßen sicher ist. So kommen Sie hin: wenn Sie von Kaitaia nach Ahipara kommen, sehen Sie links die Schule, die Hauptstraße biegt rechts ab. Sie fahren hier aber geradeaus, bis Sie ans Meer kommen. Folgen Sie dieser Straße entlang der Häuser bis Sie unmittelbar am Sandstrand entlangfahren. Jetzt sehen Sie bald rechts eine breite und vergleichsweise harmlose Einfahrt, die mit etwas Schwung auch von normalen Pkws bewältigt werden kann. Wenn Sie trotzdem stecken bleiben, tja, das passiert dort jeden Tag. Lassen Sie sich einfach für Geld und gute Worte wieder herausschieben.

Tipp: in Ahipara können Sie sich ein quad mieten, das ist ein Motorrad mit vier Rädern. Damit am Strand und in den Dünen herumzubrettern macht einen tierischen Spaß. Probieren Sie mal zur Abwechslung, mit Ihrem quad am Strand entlang nach Süden über die Felsen zu fahren (nur bei Ebbe möglich). Einfach unglaublich. Der Vermieter ist direkt an der Hauptstraße, Sie sollten in der Saison unbedingt vorbuchen.
www.ahipara.co.nz/adventure/

Far North > Auckland
Es gibt nur eine Hauptstraßenverbindung in den Norden und wieder zurück, das ist der Hwy 1. Wenn Sie in den Norden fahren, dann werden Sie ihn wohl oder übel nehmen müssen. Aber es gibt eine Alternative. Mitten im Ort Wellsford nehmen Sie die Abzweigung neben der Tankstelle (ein McD ist auch dort) nach Helensville und fahren auf einer gut ausgebauten und dabei so gut wie leeren Straße entlang des Kaipara Harbours über Helensville und Kumeu zurück in den Moloch Auckland. Ihre Nerven werden es Ihnen danken.

Die Wanganui River Road
Vom Tongariro National Park mit seinen Vulkanen aus gibt es einen zwar etwas kurvigen aber landschaftlich sehr schönen Highway, der Sie direkt nach Wanganui an die Küste führt. Hier ist die etwas aufregendere Alternative: Unterwegs zweigt in dem verlassenen Ort Raetihi die Old Wanganui River Road ab, ganz unschuldig beschildert als die Straße nach Pipiriki. Bis dorthin ist die Straße noch geteert, aber das ändert sich bald. Erst in Pipiriki kommen Sie an den eigentlichen Wanganui River, der bis hierher schiffbar ist und wenn Sie möchten, können Sie bei einer Maorifamilie einen Ausflug mit dem Jetboot buchen, sehr interessant. Am Beginn der eigentlichen River Road sehen Sie ein Schild, das, wenn es nicht wieder jemand geklaut hat, Sie freundlich darauf aufmerksam macht, dass jetzt 64 km Kurven folgen. Das ist gelogen, es sind weit mehr Kilometer. Sinnvollerweise kommt danach Schotter - und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h. Doch keine Angst. Die River Road können Sie bei einigermaßen gutem Wetter auch mit dem Wohnmobil fahren. Die Landschaft ist einfach umwerfend, archaisches Neuseeland at it's best. So etwa muss man sich das Land vorstellen, das die frühen Siedler vor 200 Jahren vorgefunden haben, allerdings ohne Wohnmobil mit Kühlschrank und Dusche... Nach der Schotterstrecke finden Sie unterwegs am Fluss ziemlich zum Ende der Strecke hin einen DOC-Campingplatz, dieser hat aber keine Duschen. Unterwegs gibt es für Literaturbeflissene und Anhänger der Hippiebewegung einen Höhepunkt: Jerusalem (maori: hirihama), in dem in den 70ern der leicht spinnerte neuseeländische Poet James K Baxter mit seiner Kommune gelebt hat.
http://teararoa.org.nz/walk35.html

Nach Wellington zur Fähre
Wenn Sie vom Norden kommen und nach Wellington kommen, dann bleibt Ihnen das letzte entnervende Stück des Hwy 1 hinein in die Großstadt nicht erspart. Wenn Sie sich aber vor der Überfahrt zur Südinsel noch etwas Aufregung oder Abwechslung verschaffen wollen, oder just for the hell of it, dann sollten Sie diese Strecke überlegen. Ca. 40 km vor Wellington (der Verkehr ist dort schon sehr dicht) kommen Sie in den Ort Waikanae. Unmittelbar nach dem Bahnhof finden Sie an einer Ampel links einen Abzweig, der Sie über die Akatarawa Road nach Upper Hutt und damit vom Hwy 1 auf den Hwy 2 bringt. Die beiden vereinigen sich in Lower Hutt wieder, zur Fähre geht es dann sinngemäß immer nur geradeaus. Es ist eine wunderschöne Strecke. Sie geht durch Farmland, bergauf, wird enger, geht weiter bergauf, wird noch etwas enger, noch kurviger und wenn man es nicht mehr für möglich hält - dann wird sie noch enger. Zur Beruhigung gibt es unterwegs dafür einen sehr schön gelegenen Rastplatz an einem Fluss und zur Belohnung wird die Straße zum Ende hin natürlich auch wieder breiter, bis Sie in Upper Hutt schließlich an ein T kommen, hier geht es rechts ab und über Lower Hutt direkt nach Wellington. Viel Spaß!

Anmerkung: Die Akatarawa Road ist durchgehend geteert und rein technisch auch mit Wohnmobilen zu befahren, aber Sie sollten dazu Ihr Fahrzeug wirklich gut beherrschen - besonders in der Breite. Ein Fehler dort kann recht unangenehme Folgen haben. Kotflügel sind teuer in Neuseeland...

Wollen Sie noch mehr Strecken kennenlernen?
Es gibt ein Buch dazu:

Noch mehr Strecken dieser Art und Hinweise auf Plätze und sehenswerte Stellen, an die man sonst vermutlich gar nicht denkt, finden Sie in meinen Neuseeland-Reiseführer Off The Beaten Track:
www.angelfire.com/de/nz/1stpage.html?
row2col2=buecherphope.html

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Der Autor: Der Neuseeländer Peter Hohenberger ist freischaffender Schriftsteller und war lange Zeit in Neuseeland als Touroperator tätig. Er lebt mit seiner Frau Rossi in Raglan by the Sea. www.go.to/NZ


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