|
|
Nebenstrecken in Neuseeland – Südinsel Teil 2 |
von Peter Hohenberger |
|
Skippers Canyon Der bekannteste Fluss um Queenstown herum ist der Shotover River, ein reißender Gebirgsfluss. Sie können ihn in einem Gummifloß beim white water rafting hinunterfahren oder im jet boat mit dem weltbekannten Shotover Jet http://www.shotoverjet.com/ hinauffahren. Der Fluss entspringt an den Hängen der Richardson Mountains und hat eine tiefe Schlucht bis hinunter nach Queenstown gegraben. Skippers, so hieß der Ort ganz oben in der Schlucht, war vor ca. 150 Jahren eine Goldgräbersiedlung. Es heißt, dass der Goldrausch hier den am Yukon weit übertroffen hat. Das Einzige, was uns heute noch daran erinnert, ist die Skippers Canyon Road. Diese Straße können Sie nur bei gutem Wetter und mit einem allradgetriebenem Fahrzeug befahren. Nur Einheimische, die genau wissen, wann und wie sie die Straße fahren müssen, wagen es mit einem PKW - und selbst die oft nicht die ganze Strecke. Für Wohnmobile ist der Skippers Canyon vernünftigerweise gesperrt. Es gibt in Queenstown einige Veranstalter, die 4WD-Touren (sogar mit 6WD!) in den Canyon anbieten. In den Buchläden von Queenstown finden Sie genügend Literatur zum Skippers Canyon, darin wird praktisch jeder einzelne Meter der Strecke beschrieben - und jeder Meter hier hat seine eigene Geschichte.
So kommen Sie hin:
Sie verlassen Queenstown in Richtung Arrowtown. Kurz nach dem Ortsende biegen Sie links ab auf die Straße zum Skigebiet Coronet Peak. Es lohnt sich übrigens, ganz hinauf zu fahren, die Aussicht ist einmalig. Fast am Ende dieser Straße sehen Sie links ein großes Denkmal mit einem Parkplatz. Diese Straße, ab jetzt einspurig und geschottert, nehmen Sie und folgen ihr. Nach kurzer Bergfahrt kommen Sie an einen Pass, von hier aus sehen Sie hinein in den Skippers Canyon. Sie können sich jetzt nicht mehr verfahren, es gibt nur noch die eine Straße. Gehen Sie auf 4WD, achten Sie auf entgegenkommende Staubfahnen und auf geht's. Ziemlich am Ende der Schlucht kommen Sie an ein ganz gemeines Stück Straße: der sog. blue slip, extrem schmieriger Schiefer und Wasser. Wenn es kurz vorher geregnet hat, sollten Sie hier äußerst vorsichtig fahren, ein Fehler und Sie liegen 100 Meter tiefer im Shotover River... Dann geht es immer weiter, bis Sie an die bekannte Skippers Bridge kommen. Sie können ohne Sorge darüber fahren, sie hält. Danach geht es noch ein kurzes Stück steil bergauf, dann halten Sie sich nach links und kommen auf einen freien Platz mit einem Gebäude, das ist die Schule von Skippers, erst kürzlich in einem DOC-Project wieder restauriert. Auf dem Weg zurück finden Sie links den Friedhof von Skippers, auf dem viele Chinesen begraben liegen, die hier als Arbeiter in den Goldminen geschuftet haben.
Skippers Canyon und The Branches Das ist die verschärfte Version vom Ausflug in den Skippers Canyon. Kurz nach dem berüchtigten blue slip sehen Sie eine kleine Straße nach rechts den Berg hinauf verschwinden: das ist die Zufahrt zur station "The Branches". Fahren Sie einfach so weit, bis Sie denken Sie sind jetzt zu weit auf privatem Gebiet und kehren Sie dann wieder um. Die Straße ist ähnlich schwierig wie der Canyon, weiter oben liegt viel tiefer Sand, manche Kurven haben es wirklich in sich, es gibt Flussdurchfahrten - aber die Landschaft wiegt das alles wieder auf. New Zealand at it's best.
Von Arrowtown nach Macetown Nur wenn Sie ein Motorrad dabei haben (und perfekt in schwierigem Gelände beherrschen) oder wenn Sie ein ausgebuffter und erfahrener Geländeexperte im 4WD sind (Sperrdifferential, Schnorchel, hochgezogener Auspuff und Winde erforderlich), dann sollten Sie sich an diese Strecke wagen, ansonsten buchen Sie lieber einen Tagesausflug bei einem Veranstalter in Queenstown. Auch Macetown war eine Goldgräbersiedlung wie Skippers, die Geschichte ist fast identisch.
In Arrowtown ist ein großer Parkplatz, auf den alle Besucher dieses netten kleinen Städtchens automatisch gelotst werden. Fahren Sie auf diesen Parkplatz, suchen Sie sich das linke Ende, ja, dort wo der Arrow River ist, gehen Sie auf 4WD, diff lock und low gear, drehen Sie die Fenster hoch, überqueren Sie unter den Weiden die paar kleinen Sandbänke und fahren Sie dann wild entschlossen knapp oberhalb des Wehres durch den Fluss, der dort recht breit ist. Drüben kommen Sie auf die Macetown Road (natürlich einspurig und Schotter), der Sie nun ganz einfach bis zum bitteren Ende folgen. Unterwegs müssen Sie durch zahlreiche Furten, manche quer zum Fluss, manche längs - nach meiner Rechnung sind es insgesamt 22. Ober angekommen, sehen Sie das Plateau, auf dem sich früher der Ort Macetown befand, komplett mit Schule, Pub und Bäckerei. Bevor Sie endgültig dorthin kommen, müssen Sie noch einen extrem steilen und glatten Hang hinunter - das ist der Punkt, an dem sich meistens die 4WD-Spreu vom Weizen trennt...
Zurück? Ganz einfach: so wie Sie hergekommen sind. Steilen Hang hinauf, 22 Furten, die letzte Furt am Wehr und zurück zum Parkplatz. Piece of cake, mate, piece of cake...
Oh, bevor ich es vergesse: wiederholen Sie bitte nicht meinen Fehler und denken Sie, dass es ein wunderschöner Frühlingstag ist und die Fahrt heute bestimmt Spaß macht.. Big mistake, mate. Denn: Frühling = noch Schnee in den Bergen + viel Sonne = Schnee schmilzt = Wasser steigt auf der Rückfahrt = big problem. Oh dear, now we're in deep doodle... Sind Sie schon mal im Landrover Boot gefahren? Ich schon...
Die Glenorchy Road Sie führt am westlichen Ufer des Lake Wakatipu bei Queenstown entlang. Wenn Sie an einem schönen Tag in Queenstown einen Ausflug machen möchten, kann ich diese sehr einfach zu fahrende Strecke empfehlen. Sie ist bis zum Ort Glenorchy durchgehend geteert und führt durch schöne Landschaft. In Glenorchy gibt es Restaurants und Cafés. Aber auch hier gibt es noch eines drauf: Nach Glenorchy geradeaus kommen Sie nach Paradise, das ist eigentlich nur eine große station, aber landschaftlich einmalig gelegen. Hier wurden Teile von Lord of the Rings gedreht. Wenn Sie nach links und über die große Brücke über den Dart River fahren, geht es nach rechts zum Kopfpunkt des bekannten Wanderweges Routeburn Track, nach links und entlang des Sees eigentlich nirgendwohin, das ist eine - zwar wunderschöne, aber trotz allem - Sackgasse.
Christchurch - The Old Summit Road Ein Geheimtipp. Die Strecke ist durchgehend geteert und bietet einfach unglaubliche Aussichten auf den Lyttelton Harbour, die Stadt Christchurch, die Canterbury Plains und die Southern Alpes im Hintergrund. Sie sollten zunächst nach Governors Bay und von hier nach Lyttelton fahren. Es gibt auch einen Straßentunnel direkt aus dem Stadtgebiet von Christchurch, der Sie direkt nach Lyttelton führt. Fahren Sie in das Stadtzentrum von Lyttelton und hier sinngemäß immer bergauf. Oben angekommen finden Sie rechts einen Parkplatz mit toller Aussicht. Danach biegen Sie gleich links ab und folgen Sie dieser Straße, bis Sie an eine größere Kreuzung kommen, gegenüber ist ein Café. Hier nach rechts und über den Ortsteil Cashmere wieder zurück direkt ins Stadtzentrum von Christchurch.
Wenn Sie schon mal in dieser Gegend sind, empfiehlt sich ein Ausflug für ein paar Tage auf die Akaroa Halbinsel mit ihren einsamen Stränden.
Hanmer Springs Jack's Pass und Jollie's Pass - den einen rauf, den anderen runter. Aber bitte richtig herum: zuerst geht es über Jacks's Pass in die Berge. Sie finden ihn, wenn Sie sich im Ort am Ende der Hauptstraße links halten und dann rechts auf die Schotterstraße abbiegen. Nach der Passhöhe kommen Sie an ein T: links geht es auf Privatstraßen zum Lake Tennyson und rechts (öffentlich) Richtung Acheron River. Folgen Sie der rechten Straße und nach ein paar Kilometern sehen Sie schon den Abzweig zu Jollie's Pass, versehen mit furchteinflößenden Hinweisschildern. Vor einigen Jahren wurde vom District Council, der Regionalverwaltung, beschlossen, im Gebiet von Hanmer Springs nur noch einen Pass zu unterhalten und man hat sich für Jack's entschieden. Das bedeutet, dass Jollie's zwar landschaftlich außerordentlich schön ist, aber leider nicht sehr gut erhalten. Sie kommen hier nur bergab und nur mit einem allradgetriebenem Fahrzeug durch - das werden Sie schon nach kurzer Zeit an der Wasserdurchfahrt erkennen. Die Straße ist felsig und hat viele Stufen, aber mit Gefühl kann man auch die bewältigen. Danach können Sie sich in den warmen Quellen von Hanmer erholen.
Die Molesworth Road Die Molesworth Station ist die flächenmäßig größte station (Schafe und Rinder) in Neuseeland und wird vom Department of Conservation, kurz DOC, betrieben. Einmal jährlich wird die Straße durch das Farmgebiet für den öffentlichen Verkehr geöffnet, Informationen dazu entnehmen Sie der web site der Molesworth Station http://www.doc.govt.nz/Explore/001~Other-Places/009~Nelson-Marlborough/Molesworth-Station/index.asp. Mit dem Wohnmobil ist die Strecke nicht zu befahren, aber bei trockenem Wetter sollten Sie mit einem PKW keine Probleme haben. Tanken Sie vorher voll und nehmen Sie ihr Picknick mit, es gibt unterwegs absolut keine Einkaufsmöglichkeiten.
Wie bereits weiter oben beschrieben, fahren Sie über Jack's Pass aus Hanmer Springs heraus und halten sich dann rechts. Sie kommen an den Acheron River und nach einiger Zeit sehen Sie links eine Brücke: das ist die Einfahrt zur Molesworth Station. Wenn die Straße offen ist, dann ist diese Brücke nicht mit einer armdicken Kette abgesperrt und Sie können unbesorgt einfahren. Danach fahren Sie sehr lange durch neuseeländische Urlandschaft: Grasbüschel und Weideland, Berge und Flüsse. An der station selbst fahren Sie rechts seitlich vorbei. Wenn Sie später an ein Y kommen, nehmen Sie die linke Gabel, die rechte führt ins Nichts. Viel später wird die Straße wieder geteert und landschaftlich sehr schön. Sie befinden sich jetzt hinter der Kaikoura Seaward Range, eine hohe Gebirgskette. Nach einer abschließenden langen Geraden stoßen Sie auf ein T, das ist der Hwy 1.
Blenheim > Picton via Port Underwood Jetzt sind Sie einmal rund um die Südinsel gefahren und haben deren landschaftliche Schönheit genossen. Aber es gibt noch ein's drauf: die back country road von Blenheim nach Picton. Sie ist zwar weitgehend Schotter, aber auch mit einem Wohnmobil problemlos zu fahren.
Nördlich von Blenheim kommen Sie in den Ort Tuamarina. Biegen Sie hier rechts ab, über die Bahnschienen und Richtung Rarangi. Unterwegs kommen Sie an ein X, hier links und weiter bis ans Meer. Sie sehen einen wunderschönen Strand mit großen Pinien. Daran entlang und dann geht es unvermittelt bergauf: das ist die Straße nach Port Underwood und Picton. Bergauf, bergab, rechts, links - zum Abschluss nochmals eine rechte Kurvenorgie. Sie fahren im Busch, dann wieder am Meer, entlang sehr schöner Buchten, bis Sie in die Marlborough Sounds kommen. Sie kommen am Ende der Fahrt direkt in Picton heraus.
Wollen Sie noch mehr Strecken kennenlernen? Es gibt ein Buch dazu: Noch mehr Strecken dieser Art und Hinweise auf Plätze und sehenswerte Stellen, an die man sonst vermutlich gar nicht denkt, finden Sie in meinen Neuseeland-Reiseführer Off The Beaten Track: www.angelfire.com/de/nz/1stpage.html? row2col2=buecherphope.html
____________________________________________Der Autor: Der Neuseeländer Peter Hohenberger ist freischaffender Schriftsteller und war lange Zeit in Neuseeland als Touroperator tätig. Er lebt mit seiner Frau Rossi in Raglan by the Sea. www.go.to/NZ
___________________________________________________ copyright © 2001-2010 by NZvillage media association, Marcus Bren, Switzerland.
All rights reserved. No part of this website may be reproduced in any way without the prior written consent of the publisher and copyright holders.
Dieses Werk einschliesslich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autoren und Copyright-Inhaber unzulässig und strafbar. Weitere Informationen erhalten Sie unter: recht@nzvillage.com |
|
|