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Die Maori Schule in Neuseeland

Autor: Dominik Baumann

Vor 8 Jahren war ich zum ersten Mal in Neuseeland, von Beginn an war ich von der Kultur der Maori fasziniert. Bald einmal lernte ich den HAKA, den Kriegstanz, den die Neuseeländische Rugby-Mannschaft jeweils vor den Spielen aufführt. Doch das war mir noch lange nicht genug...

Ich schrieb diverse Maori-Organisationen und Schulen an, ob ich eventuell bei ihnen vor Ort die Kultur nicht einfach sehen, sondern auch leben kann. Die Maorischule Ataarangi in Otahuhu (Südauckland) schrieb sofort zurück und teilte mir mit, "dass ich jederzeit herzlich willkommen sei". Nach einem kurzem Telefonat war mein erster Schultag in Maori abgemacht.

In Otahuhu angekommen, wurde ich darauf hingewiesen, dass die Schule ausschliesslich in Maori und nicht in Englisch sein wird. Und dies war dann auch wirklich der Fall...am ersten Tag hatte ich kaum eine Ahnung, was diskutiert wurde...aber alles der Reihe nach:

Das Klassenzimmer war beeindruckend! Überall hingen Maori-Zeichnungen und Maori-Figuren. Dann entdeckte ich die Tikanga ki Kura (Schulregeln). Natürlich konnte ich nicht verstehen, was den eigentlich die Regeln sind... Die wichtigsten wurden mir aber schnell mitgeteilt: Es wird nur Maori gesprochen (wie denn? ich kannte ja kaum ein Wort...), Auf Tische sitzen oder anlehnen ist verboten (Tische sind tapu (heilig, geschützt), da man davon isst und da lehnt man sich nicht an) und die Schuhe bleiben draussen (mit den Schuhen auch alle schlechten Geister).

Die Schule begann um 9 Uhr... respektive die Schule startete offiziell um 9 Uhr, es waren jedoch noch lange nicht alle anwesend! Von 9 - 10 Uhr stand ein Hui auf dem Stundenplan. Ein Hui ist eine Aussprache, eine Diskussion. Jeder und jede ist aufgefordert etwas zu erzählen, zwischendurch wird immer wieder gesungen und gebetet. Nach etwa 15 Minuten war ich bereits sehr angetan vom Schultag, da die vielen Lieder auch mit Tänzen begleitet wurden.

Danach zeigten alle auf mich und ich musste etwas sagen. Ich wurde aufmerksam gemacht, dass ich ja nichts verstehe, daher sei es ok, wenn ich in meiner Muttersprache spreche. Also erwähnte ich meine Liebe zur polynesischen/maori Kultur auf Schweizerdeutsch und danach in Englisch. Nach meiner Korero (Ansprache) musste ich ein Schweizer Lied singen...was ich dann auch gemacht habe! Danach begann der Unterricht. Ganz interessant ist der Aspekt, dass in einer Maori-Lektion nichts, aber auch gar nichts aufgeschrieben wird. Mit Symbolen wurden Satzfragmente gebildet, von der Lehrerin vorgesprochen und danach von uns nachgesprochen. Je länger die Sätze wurden, umso mehr Mühe bekundete ich. Als Symbole wurden häufig ein Schlüssel (English = key, gesprochen ki) und ein Auto (car) verwendet - beide Begriffe sind in Maori wichtige Wörter und Satzteile zu verbinden (ki und ka). An meinem ersten Schultag lernte ich die wichtigsten Wörter und Ausdrücke eines Whakapapa (Familienstammbaum). Ein Whakapapa ist nicht einfach ein Familienstammbaum, schliesslich handelt es sich hier ja um die Whanau (Familie). Viele Familien sind irgendwie Nachfahren von wichtigen Tipuna (Vorahnen) und daher sind diese Ausdrücke und vor allem die Personen, welche sich dahinter verstecken tapu (heilig, geschützt).

Jeweils am Mittwoch Nachmittag stand Waiata auf dem Stundenplan. Dahinter versteckt sich nichts anders als eine Gesangs- und Tanzstunde. Mittels Projektor wurden die Lieder jeweils an die Wand projeziert und von Gitarren begleitet, versuchten wir die Lieder nachzusingen und nachzutanzen (ein Kriegstanz wird Haka genannt, ein freundliche Tanz, welche meistens gesungen wird, nennt man Kapahaka). Bei mir ging das anfangs eher schlecht als recht. Die Lieder waren von der Melodie eher einfach, aber die komplizierten Wörter und die vielen Bewegungen brachten mich total ans Limit. Ich habe mich immer gefragt wie die anderen Schüler dies so toll meistern und meistens auch relativ schnell lehren konnten. Well, erstens studierten sie seit Wochen, resp Monaten Maori und zweitens verstanden sie, im Gegensatz zu mir, von was wir sangen. Denn... die Bewegungen für gewisse Wörter sind immer in etwa die selben. So wird zum Beispiel bei aroha (Liebe) das Herz berührt oder es handelt sich um eine Geste mit einem Herz oder bei korero (sprechen) werden meistens die Hände vor den Mund gehalten. Dies war der Grund, wieso ich gegenüber den Maori ein zu grosses Handicap hatte, sie verstanden viele Wörter und konnten ahnen, welche Bewegung als nächstes kommen würde. Für mich jedoch war alles total neu und anders. Nach ca. 3 Monaten war ich jedoch schon gar nicht mehr so schlecht und konnte schon das einte oder das andere Lied nicht nur mitsingen, sondern auch mittanzen.

Dann kam unser Fundraiser. Fundraiser sind Anlässe, bei welchen Eintritte verkauft werden...dafür wird den Gästen jedoch etwas geboten. Bei uns war dies ein Kapahaka-Auftritt unserer Klasse und ein Hangi (traditionelles Maori-Essen). So war ich also hautnah dabei als der Hangi vorbereitet wurde und stand als Schweizer mittendrin in der singenden und tanzenden Maori-Klasse. Natürlich hatte ich die Lieder und Bewegungen so lange eingeübt (teilweise nächtelang...), dass ich auch entsprechend vorbereitet war. Eingeladen hatte ich mehrere Freunde (teilweise Sprachstudenten, teilweise Immigraten, aber auch Kiwis) und alles zusammen (Essen, Singen/Tanzen und die Freunde) machten diesen Event zu einem unvergesslichen Erlebnis.


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